Lesung Otto's Schatten

„Ottos Schatten“ ein Debütroman von Marno Howald

Es gibt wohl Tage, an denen sich das Schicksal nicht zwischen dem Schlechten und etwas Gutem entscheiden kann. Tage an denen es nicht würfelt und nimmt, was kommt.
Augenblicke, in denen es zulässt, was zu ertragen uns schwerfällt.
In Ottos Leben begann solch ein Tag mit Maries Geburt und endete mit der erbarmungslosen Gewissheit, dass sein Vater ging. Nur ein Moment, der alles veränderte
und ihn in ein neues, anderes Leben zwang. Ein Leben mit der bedingungslosen Liebe zu seiner Marie. Ein Leben mit diesem neuen Mann an Mutters Seite, der seinen bedrohlichen
Schatten über alles legte, was in Ottos Leben an Schönheit übrig blieb.
Einem Säufer und Schläger, der Otto immer wieder eine beachtliche Anzahl blauer Flecke auf den Leib heftete, die wochenlang nicht verheilten. Ottos Leben ist die Geschichte eines
Jungen, der sich schwor, die eigene Schwester zu schützen, alles Böse zu ertragen und von ihr fernzuhalten und zu erdulden, was sie niemals erfahren durfte.
Denn er selbst musste es sein, der es ertrug. Für Marie!


Was war die Motivation dieses Buch zu schreiben?
Es ist schwer zu beschreiben, warum ich schrieb, was ich schrieb.
Was ich aber darüber sagen kann, liegt einzig in der Verzweiflung verborgen, welche mich schon immer umgab. Es war immer wieder diese eine Frage nach der Schuld. War es
unsere oder seine? Ein ständiges Hadern mit den möglichen Konsequenzen, der richtigen Antwort. Doch letztlich ließ es sich mit nur einem Gedanken beantworten. Einer einzigen
Option, die übrig blieb.


Wie viel Gewalt erträgt die Seele eines Kindes?
Besonders wenn das vermeintlich sichere Zuhause mehr Böses bereithält als die Welt da draußen! Wie laut dürfen Opfer sein, wenn die Täter mit ihren Verbrechen prahlen?
Ich möchte nicht schweigen! Ich will nicht still sein! Ich will es rausbrüllen und mit dem Finger auf ihn zeigen! Ihn brandmarken und schuldig sprechen! Mein Stiefvater wurde nie verurteilt, nie damit konfrontiert, denn er starb vor langer Zeit. Ich werde also niemals die Gelegenheit bekommen ihm ins Gesicht zu brüllen, wie sehr er mich anwidert. Ich kann es nicht, und meine Schwester kann es nicht. Wir werden damit leben müssen, es auf eine Gewisse Weise für ewig unerledigt zu lassen. Aber wir können die Scherben aufsammeln und damit beginnen, sie zu kleben. Wir können das Zerstörte reparieren, so gut es uns eben gelingt.


Das war meine Motivation, meinen ersten Roman, "Ottos Schatten" zu schreiben.
Auch wenn ich erkennen musste, dass der kleine verletzte Junge in mir, immer wieder an die Oberfläche schlich und den erwachsenen Mann in den Hintergrund drängte, um auf seine ganz eigene Weise zu schreiben.

Mehr Informationen findest Du hier:

Ort: MS Aventura, Schlachte Anleger 5

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